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Geschichte der Stadt Sassnitz

Das heutige Sassnitz bestand ursprünglich aus zwei getrennten Gemeinden, dem Fischerdorf Sassnitz (das heutige Alt-Sassnitz) und dem Bauerndorf Crampas (heute der Bereich um die Einkaufspassage Rügen-Galerie). Beide Orte weisen slawische Ortsnamen auf, wobei allerdings nicht geklärt ist, ob zur Slawenzeit beide Orte schon als Siedlungen bestanden. Die urkundliche Ersterwähnung für Crampas datiert aus dem Jahr 1398, der Name Sassnitz taucht nach heutigem Erkenntnisstand erst im Jahr 1584 auf.

Eine erste genaue Beschreibung der Ortschaften liefert die schwedische Landesaufnahme aus dem Jahr 1695. Darin wurde Crampas als Kronhof, Sassnitz hingegen als Amtsfischlager des Amtes Bergen bezeichnet. Im Gegensatz zu anderen Ortschaften auf der Halbinsel Jasmund, welche zumeist als Weiler angesehen werden konnten, das heißt zwei bis vier Häuser je Ortschaft besaßen, war Crampas ein kleines Gassendorf und Sassnitz ein Sackgassendorf oder Lietendorf (Schluchtendorf). Im Verhältnis zu den anderen Ortschaften der Halbinsel Jasmund stellte Crampas mit sieben Familienvorständen schon ein größeres Dorf da, Sassnitz mit 13 Familienvorständen war zur Zeit der schwedischen Landesaufnahme sogar zweitgrößtes Dorf auf der Halbinsel Jasmund nach Sagard. Nur die Familienvorstände wurden in der Landesmatrikel namentlich benannt. Man kann mit einer Bevölkerung von ungefähr fünf Familienmitgliedern pro Familie ausgehen. Die mehr als 160jährige Schwedenherrschaft fand allerdings mit den Verträgen vom 4. und 7. Juni 1815 und dem Erwerb von Schwedisch-Pommern und Rügen durch Preußen ein Ende.

Zwei für die Entwicklung der beiden Ortschaften wichtige Ereignisse fanden Anfang des 19. Jahrhunderts statt. Bei der im Jahr 1820 von der Königlichen Regierung erfolgten Neueinteilung der Feldmark Crampas wurden in Crampas 2 Halbbauer- und 11 Büdnerstellen eingerichtet. Diese Stellen wurden 1822 an die Einwohner von Crampas teils verkauft, teils in Erbpacht gegeben. Crampas wurde damit selbständige politische Gemeinde. Für Sassnitz traf dies erst 22 Jahre später ein. Im Jahr 1842 hatte der preußische Staat Sassnitz aus dem Besitz der Witwe des Kaufmanns Christoph Bernhard Wallis in Stralsund erworben, in dessen Familienbesitz es sich über Jahre befand. Sassnitz kam somit wieder als Staatsbesitz in domaniale Verwaltung. Im Jahr 1844 erkauften sich die Büdner ihren Besitz zu freiem Eigentum. Auch Sassnitz war nun selbständige politische Gemeinde.

Eine erste große Blütezeit erfuhren beide Ortschaften ab den 1860er Jahren. Der Badetourismus und dem damit verbundenen Bau von Hotels, Pensionen, Geschäftshäusern usw., ließen Sassnitz und Crampas immer weiter zusammenwachsen, sodass um 1900 eine Grenze zwischen beiden Orten schon nicht mehr erkennbar war. Eine logische Konsequenz daraus war der Zusammenschluss beider Gemeinden zur Gemeinde Sassnitz am 1. April 1906.

Bereits ab dem letzten Drittel des 19. Jahrhunderts entwickelten sich in Sassnitz und Crampas neben dem Tourismus andere Erwerbsquellen für Einheimische und Zugezogene. Allen voran boten die Kreideindustrie, der Hafen und die seit 1891 bis Crampas führende Eisenbahn viele Arbeitsplätze. Dadurch änderte sich vor allem die soziale Struktur der Einwohner und durch den Wohnungsbau erhielt Sassnitz Anfang des 20. Jahrhunderts immer mehr städtisches Aussehen. Durch die zusätzliche Nutzung von Sassnitz als Marinestandort, vor allem während der NS-Zeit, wurde das Ortsbild nicht unerheblich verändert.

Einen schwarzen Tag in der Ortsgeschichte bildet der Bombenangriff auf Sassnitz am 6.3.1945. Der durch die auf Weitertransport, teils in Zügen, teils noch auf den Schiffen wartenden Flüchtlinge überfüllte Hafen, war dabei das Ziel und hatte viele Opfer zur Folge.

Eine entscheidende Entwicklung erfuhr Sassnitz nach dem Ende des zweiten Weltkriegs. Durch den groß angelegten Ausbau der Fischindustrie, bestehend aus Fischfang und Fischverarbeitung, erlebte Sassnitz eine zweite Blütezeit. Tausende Arbeitsplätze wurden geschaffen, was einen regen Bevölkerungsanstieg hervorrief. Von 1945 bis 1976 stieg die Einwohnerzahl von 5.452 auf 15.108. Sassnitz wuchs über seine bisherigen Grenzen hinaus und erreichte vollends städtisches Aussehen. Nach mehreren gescheiterten Versuchen vergangener Jahre, wurde Sassnitz schließlich am 1. Januar 1957 zur Stadt erklärt. Seit dieser Zeit entstanden bis in die 1980er Jahre auch die größeren Wohngebiete (Erwin-)Fischer-Ring, Wilhelm-Pieck-Ring (heute Gerhart-Hauptmann-Ring), Rügener Ring und Mukraner Straße. Einen letzten industriellen Aufschwung erlebte Sassnitz durch den Bau des Fährhafens im Stadtteil Mukran für den Fährverkehr ins damalige sowjetische Klaipeda.

Die politische Wende brachte auch in Sassnitz eine spürbare Veränderung mit sich. Die Auflösung des VEB Fischfang, Umstrukturierungen in der Kreideindustrie und der Verlust der Monopolstellung des Fährverkehrs nach Skandinavien waren spürbare Einschnitte, was besonders auf die Arbeitsplätze und somit die Einwohnerzahl Auswirkungen hatte. Die Stadt Sassnitz besann sich auf ihre Tradition im Fremdenverkehr. Der historische Ortskern von Sassnitz wurde Sanierungsgebiet und die über Jahrzehnte vernachlässigten Villen und ehemaligen Hotels wurden restauriert und wieder für den Fremdenverkehr nutzbar gemacht. Auch der Hafen erfuhr eine grundlegende Änderung vom Fischerei- und Fährhafen hin zum maritimtouristischen Hafen. Sassnitz wurde im Jahr 1998 staatlich anerkannter Erholungsort. Durch die Schaffung des Nationalparks Jasmund im Jahr 1990, dem Waldgebiet der Stubnitz, erfuhr auch das angrenzende Umland eine touristische Aufwertung, die mit Ausweisung einer Teilfläche zum UNESCO-Weltnaturerbe im Jahr 2011 einen vorläufigen Höhepunkt erreichte.